
In der Schweiz wählen heute rund neun von zehn Familien eine Kremation. Vor 50 Jahren war es weniger als jede fünfte. Wenn Sie gerade vor dieser Entscheidung stehen, finden Sie hier, wie beide Wege ablaufen, was erlaubt ist und was sie kosten.
Ich bin Jan Euskirchen, freier Theologe und Trauerredner. In vielen Gesprächen mit Familien erlebe ich, wie viel Ruhe es gibt, wenn die wichtigsten Fragen geklärt sind.
Was ist eine Kremation?
Bei einer Kremation, auch Feuerbestattung oder Einäscherung genannt, wird der Körper der verstorbenen Person in einem Krematorium bei hohen Temperaturen eingeäschert. Die Asche wird anschliessend in eine Urne gefüllt. Diese Bestattungsform ist in der Schweiz heute die Regel: Rund 85 bis 90 Prozent der Verstorbenen werden kremiert. Wie das in einem Schweizer Krematorium abläuft, beschreibt zum Beispiel die Stadtgärtnerei Basel.
Der Ablauf einer Kremation
Nach dem Tod stellt ein Arzt die ärztliche Todesbescheinigung aus. Der Todesfall wird innert zwei Tagen dem Zivilstandsamt gemeldet, meist übernimmt das der Bestatter. Danach wird die verstorbene Person im Sarg ins Krematorium überführt. Die Kremation selbst dauert rund 90 Minuten. Die Asche kommt in eine Urne, die Sie nach einigen Tagen beim Bestatter oder auf dem Friedhof abholen können. Die Trauerfeier kann vor oder nach der Kremation stattfinden.
Die traditionelle Erdbestattung
Bei der Erdbestattung wird die verstorbene Person in einem Sarg auf einem Friedhof beigesetzt. Diese Form hat eine lange kulturelle und religiöse Tradition und ist für manche Familien bis heute die einzig stimmige Form des Abschieds.
Ablauf einer Erdbestattung
Nach der Versorgung und Einsargung findet die Trauerfeier statt – in einer Abdankungshalle, einer Kirche oder direkt am Grab. Anschliessend wird der Sarg ins Grab hinabgelassen. Die Bestattung ist in der Schweiz frühestens 48 Stunden nach dem Tod möglich und findet meist innert einer Woche statt.
Kremation oder Erdbestattung: die wichtigsten Unterschiede
Kosten
Das Bestattungswesen ist in der Schweiz Sache der Gemeinden. Deshalb unterscheiden sich die Kosten stark von Ort zu Ort. Viele Gemeinden übernehmen für ihre Einwohner Teile der Kosten, etwa das Reihengrab oder die Kremation. Eine Kremation ist meist günstiger als eine Erdbestattung, weil Urnengräber kleiner sind und weniger Pflege brauchen. Lassen Sie sich vom Bestatter einen schriftlichen Kostenvoranschlag geben und fragen Sie beim Bestattungsamt nach den Gebühren Ihrer Gemeinde.
Zeitlicher Rahmen
Bei einer Erdbestattung muss die Beisetzung relativ zeitnah erfolgen. Bei einer Kremation kann die Trauerfeier zeitlich flexibler gestaltet werden, weil die Urne zunächst aufbewahrt werden kann. Das gibt Angehörigen mehr Zeit für die Organisation und ermöglicht es auch weiter entfernt lebenden Familienmitgliedern, dabei zu sein.
Bestattungsformen nach der Kremation
Nach einer Kremation stehen Ihnen in der Schweiz viele Möglichkeiten offen:
- Urnengrab oder Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof
- Urnennische (Kolumbarium)
- Baumbestattung im Friedwald oder Waldfriedhof
- Verstreuen der Asche in der Natur (Regeln der Gemeinde beachten)
- Aufbewahrung der Urne zu Hause
- Rheinbestattung in Basel (siehe Abdankung Basel)
Bei der Erdbestattung erfolgt die Beisetzung im Sarg auf einem Friedhof.
Ökologische Aspekte
Beide Bestattungsformen haben Umweltauswirkungen. Die Kremation verbraucht Energie und erzeugt CO₂-Emissionen; moderne Krematorien verfügen jedoch über Filteranlagen, die Schadstoffe reduzieren. Bei der Erdbestattung werden Ressourcen für den Sarg benötigt. Naturnahe Bestattungen mit biologisch abbaubaren Urnen gelten als besonders umweltfreundlich.
Was ist in der Schweiz erlaubt?
Anders als in Deutschland gibt es in der Schweiz keine Friedhofspflicht. Sie dürfen die Urne nach Hause nehmen und dort aufbewahren. Auch das Verstreuen der Asche in der Natur ist an vielen Orten erlaubt oder wird toleriert – etwa am Fuss eines Lieblingsbaums. Die genauen Regeln legen Kantone und Gemeinden fest.
Im Kanton Zürich zum Beispiel darf Asche ausserhalb von Friedhöfen verstreut werden, wenn sie danach nicht mehr erkennbar ist und Umwelt- und Gewässerschutzvorschriften eingehalten werden. Eine Urne gehört nicht ins Wasser. Wer eine Urne im Wald oder Garten vergraben möchte, meldet das am besten bei der Gemeinde. Fragen Sie im Zweifel beim Bestattungsamt Ihrer Gemeinde nach.
Religiöse und kulturelle Überlegungen
Verschiedene Religionen und Kulturen haben unterschiedliche Traditionen:
Christentum: Sowohl Erd- als auch Feuerbestattung sind heute in den meisten christlichen Konfessionen akzeptiert. Die katholische Kirche erlaubt Kremationen seit 1963, bevorzugt aber die Beisetzung der Urne gegenüber dem Verstreuen der Asche.
Islam: Die islamische Tradition lehnt die Kremation ab und sieht die Erdbestattung vor.
Judentum: Im orthodoxen Judentum ist nur die Erdbestattung erlaubt, liberale Strömungen akzeptieren teilweise auch Kremationen.
Hinduismus und Buddhismus: In diesen Traditionen ist die Kremation die übliche Bestattungsform und hat eine tiefe spirituelle Bedeutung.
Wie trifft man die richtige Entscheidung?
Die Wahl zwischen Kremation und Erdbestattung ist sehr persönlich. Diese Fragen helfen:
Wünsche der verstorbenen Person: Hat sie zu Lebzeiten Wünsche geäussert? Ein Testament, ein Vorsorgeauftrag oder schriftliche Bestattungswünsche können Hinweise geben.
Religiöse und kulturelle Überzeugungen: Welche Rolle spielen religiöse Traditionen für die Familie?
Praktische Überlegungen: Wo leben die Angehörigen? Wer kann die Grabpflege übernehmen?
Finanzielle Möglichkeiten: Welches Budget steht zur Verfügung, und was übernimmt die Gemeinde?
Emotionale Aspekte: Welche Form des Abschieds fühlt sich für die Hinterbliebenen richtig an?
Vorsorge treffen
Es ist sinnvoll, bereits zu Lebzeiten über die eigene Bestattung nachzudenken und Wünsche festzuhalten. Das entlastet Angehörige in der schweren Stunde und stellt sicher, dass der Abschied Ihren Vorstellungen entspricht.
Möglichkeiten der Vorsorge:
- Gespräche mit Angehörigen über persönliche Wünsche
- Schriftliche Bestattungswünsche, im Testament oder im Vorsorgeauftrag
- Vorsorgevertrag mit einem Bestattungsinstitut
Die Trauerfeier bei Kremation
Gerade weil die Urne flexibel beigesetzt werden kann, haben Sie bei einer Kremation mehr Zeit für die Abschiedsfeier. Viele Familien feiern erst eine Woche später – an einem Ort, der zum verstorbenen Menschen passt. Wie eine solche Feier aussehen kann, lesen Sie im Ratgeber zur freien Trauerfeier.
Fazit
Sowohl die Kremation als auch die Erdbestattung sind würdevolle Formen des Abschieds. Es gibt kein «richtig» oder «falsch» – die Entscheidung sollte die Wünsche der verstorbenen Person respektieren und den Bedürfnissen der Hinterbliebenen gerecht werden.
Nehmen Sie sich Zeit, prüfen Sie die Möglichkeiten Ihrer Gemeinde und lassen Sie sich vom Bestatter beraten. Wenn Sie eine persönliche Trauerfeier planen möchten, bin ich gerne für Sie da: 078 665 78 22.

